115. Brief: Eisenstange

Ein Dornröschen in Deutschland, Kinderprostitution, Eltern verkaufen ihre Kinder. Ein modernes Märchen, Poesie. 115. Teil: Eisenstange

Das Dressurpferd traute sich nicht, sich zu bewegen, es blieb dicht bei der dreizehnten weisen Frau stehen. Es wusste, dass sie sich nicht scheuen würde, ihm mit der Eisenstange die Beine zu zertrümmern. Immer wieder beschwor es das Licht, um alles um sich herum vergessen zu können, aber es sah nur die Dornenhecke, die an dem Haus der vielen Sonnen wuchs und wuchs. Von weitem hörte es eine Stimme, die sagte: „Wir müssen ein Rudel werden, nur gemeinsam können wir es schaffen, das Dressurpferd aus der Gewalt der dreizehnten weisen Frau zu befreien.“ Obwohl diese Stimme Rettung versprach, fürchtete es sich vor ihr. Sie schien eine Geschichte zu erzählen, eine ganze Welt zu öffnen, in der keiner das Licht beschwor.

Es beobachtete, wie die Menschen, die das Haus der vielen Sonnen betraten, sich mühsam an der Dornenhecke vorbeikämpften, um überhaupt in das Haus hineinzukommen. Immer wieder versuchte jemand mit einer riesigen Schere, den Eingang und die Fenster freizuschneiden, aber dadurch schien die Hecke nur noch schneller zu wachsen. Das Dressurpferd glaubte schon, ein Ächzen und Stöhnen des Hauses zu hören, als wäre es von der Hecke erdrückt worden, ein paar Fenster zerbrachen. Es wurden neue Scheiben eingesetzt, die schon kurz darauf wieder zugewachsen waren. Erneut kam ein Mann mit einer riesigen Schere, er stieg auf eine Leiter, und während er die Fenster freizuschneiden versuchte, schlang sich die Dornenhecke um seinen rechten Arm. Der Mann fing an zu schreien. Bei seinen Versuchen, seinen Arm aus der Umklammerung zu lösen, kippte die Leiter unter ihm weg, und er hing in der Dornenhecke. Mehrere Männer mussten ihn befreien, sie schafften es gerade noch, bevor sein ganzer Körper umschlungen war.

Zum 116. Brief: Rudel

Link: Das Erwachen der Sexualität (Dornröschen)

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