23. Brief: Frieden Frieden

Ein Dornröschen in Deutschland, Kinderprostitution, Eltern verkaufen ihre Kinder. Ein modernes Märchen, Poesie. 23. Teil: Frieden Frieden

Mir blieb fast der Atem stehen, als ich sah, wie das Huhn die Fliege anstarrte. Es schien alles um sich herum zu vergessen, auch dass es in meiner Gegenwart hätte in Ohnmacht fallen müssen. Wollte es die Fliegen fressen? Ich musste sie beschützen, und gleichzeitig durfte ich das Huhn nicht erschrecken. Vorsichtig rutschte ich auf dem Boden zwischen die beiden Tiere. „Freiheit, Frieden, Frieden, wir, wir, wir!“, rief das Huhn.

Die Fliege konnte kaum sprechen, sie japste: „Habe ich es geschafft, bin ich wirklich im Haus drin?“

„Ja, ja, du bist drin.“

„Und ich lebe noch, du lebst noch, und da ist ein Huhn, von einem Huhn weiß ich gar nichts.“

„Ja, wir leben alle noch. Ich hoffe, dass es so bleibt“, sagte ich und schaute dabei das Huhn an. Es bewegte sich nicht.

„Bist du gekommen, um mir die Geschichte des Dornröschens zu erzählen?“

„Lebe ich wirklich noch?“

„Ja, du lebst noch.“

„Und das hier ist das Sonnenhaus?“

„Ja, das ist mein Sonnenhaus, ich weiß zwar nicht, warum es ein Sonnenhaus geworden ist, aber“

„Und wir leben noch?“

„Ja, ja.“

„Will das Huhn auch die Geschichte des Dornröschens hören?“

„Wir sind für die Freiheit, wir sind für den Frieden, Deutschland ist ein gutes Land!“, rief das Huhn.

„Deutschland ist Dornröschenland, weißt du das nicht?“, erwiderte die Fliege.

„Deutschland ist Dornröschenland, Deutschland ist ein gutes Land, Freiheit, Frieden, Frieden.“

„Stimmt mit dem Huhn etwas nicht?“

„Ich bin ein Huhn, Deutschland ist ein gutes Land, Deutschland ist Dornröschenland, Freiheit, Frieden, Frieden!“

Zum 24. Brief: Wir leben noch

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