Der heilige Raum ohne Tür

Traum-News: Ist der heilige Raum ein Ort des Schreckens?

Der Raum, in dem Martina M. auf einem Stuhl saß, hatte keine Wände, keine Tür, kein Fenster, es war ein Raum, der ohne Anfang und ohne Ende zu sein schien. Martina M. stand auf, weil sie glaubte, zur Arbeit gehen zu müssen, aber es gab keinen Weg heraus aus der Leere. Es gab auch keine Uhr, die anzeigte, wie spät es war, es hätte Nacht sein können oder auch früher Morgen. Nur der Stuhl stand da. Sie wollte ihr Handy aus der Tasche ziehen, um festzustellen, wo sie war, aber sie fand es nicht.

Sie rannte los, irgendwo musste der Raum einen Ausgang haben, sie lief bis sie außer Atem war. Als sie sich umschaute, sah alles aus wie zuvor, und der Stuhl stand direkt vor ihr, als hätte sie sich keinen Meter von ihm wegbewegt.  Martina M. rief um Hilfe, aber keiner antwortete, keiner kam. Ihr wurde schwindelig, sie ließ sich auf den Stuhl fallen. Sie versuchte, sich daran zu erinnern, wie sie in diese Situation gekommen war, aber sie wusste es nicht. Irgendwo musste sie dringend hin, das spürte sie, vielleicht nicht zur Arbeit, aber irgendwohin musste sie, es gab etwas zu tun, dringend, sie durfte nicht mehr warten oder zögern. Jemand würde ihr schwere Vorwürfe machen, wenn sie es nicht tat. Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Laut sagte sie zu sich selbst: „Wenn ich jetzt meine Augen wieder öffne, wird etwas da sein, ich muss nur daran glauben, dass es eine Tür gibt, die dorthin führt, wo es für mich weitergeht.“

Es gab keine Tür. Wieder sprang sie auf, sie rannte im Kreis um den Stuhl herum, im Viereck, sie tanzte, sie sprang, als hätte sie einen Code finden müssen, der den Stuhl in eine Tür verwandeln würde. Oder musste sie nur ein paar Worte aneinanderreihen oder musste sie? Irgendetwas musste sie, das war gewiss.

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Seine Qualen sind mein Glück

Ästhetischer Weltuntergang

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Manchmal möchte ich beim Weltuntergang in der ersten Reihe sitzen.

Wenn der Weltuntergang so schön aussieht, wie er oft im Fernsehen gezeigt wird, warum soll man ihn verhindern? Dieses Spektakel, diese Wucht, wenn Eismassen zerbrechen. Wasserrinnsale suchen ihren Weg über glänzendes Blauweiß. Immer wieder Landschaften, die ihre Form verändern, die Kraft der Natur in voller Ästhetik. Und dann stehen da Menschen, die sagen: „Sehen Sie, sehen Sie, es geschieht wirklich!“

Der schöne Weltuntergang.

Es sind immer die gleichen Menschen, die dastehen, Menschen, die gut mit Zahlen umgehen können, in die Welt der Materie eindringen. „Zwei Grad, zwei Grad“, sagen sie immer wieder. Das ist die magische Zahl, die sie mit anderen Zahlen flankieren, ganze Türme von Zahlen und Kurven bauen sie auf. „Sehen Sie die Kurve, wie sie steigt, so etwas hat es noch nie gegeben.“ Diese Wissenschaftler tauchen in die Tiefe der Meere und messen, sie fliegen hoch in den Himmel hinauf und messen, und sie sagen: „Ja, es geschieht wirklich, wir haben jetzt die neuesten Erkenntnisse, die neuesten Kurven.“ Selbst ich als Huhn kann mir vorstellen, wie sich die Zuschauer bei einem Glas Bier und einer Tüte Chips dabei gruseln. Sie springen massenhaft auf von ihren Sofas und schreien: „Ich ändere mein Leben!“

Oder planen sie doch eher ihre Reise in den Norden, um einmal ganz nah dabei zu sein beim schön Weltuntergang?

Warum steht vor der Kamera niemand, der es gewohnt ist, in das Bewusstsein der Menschen und Gruppen einzudringen und fragt, natürlich mit entsprechenden Bildern: „Was geschieht, wenn Gesellschaften unter Druck geraten? Ernteausfälle, Dürren, Massenfluchten, Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Massenarmut, Hungertote, Seuchen, Volksaufstände, stürzende Demokratien. Und was geschieht, wenn Diktatoren auf Daten zugreifen, die geschützt sein sollten? Wird der Diktator entscheiden, wer das Recht hat weiterzuleben? Wann fällt die erste Bombe, hinter der es kein Zurück mehr gibt?“

Aber vielleicht wird ja alles ganz anders kommen – der Mensch entdeckt seine Moral und teilt das letzte Stückchen Brot mit einem Ertrinkenden am anderen Ende der Welt.

Traum-News: Der heilige Raum ohne Tür

Krümmelmonster hat Hunger

Traum-News: Große Menschen brauchen ein großes Krümmelmonster, das ihnen den Weg in die Zukunft zeigt – wenn sie eine Zukunft haben wollen.

Vor dem Tor, das in die Zukunft führte, stand das Krümmelmonster. Es war groß wie ein Haus und alle, die es sahen, glaubten, eine wunderbare Zeit vor sich zu haben mit viel Spaß und Spielen. „Krümmel hat Hunger, Krümmel hat Hunger!“, rief das vertraute Wesen. Alle waren bereit, viele Kekse zu investieren, um dem Sesamstraßen-Monster einen Gefallen zu tun und um von ihm das Tor geöffnet zu bekommen.

Aber jeden, der Krümmel Kekse hinhielt, traf ein verächtlicher Blick. „Was soll ein so großes Monster mit Keksen? Krümmel hat Hunger, Krümmel will Autos essen, gib ihm dein Auto und dein riesiges Haus und die Flugzeuge, mit denen du und alle anderen in Urlaub fliegt. Krümmel hat Hunger!“

Zuerst lachten die Menschen nur, weil sie es für einen Witz hielten, aber Krümmel versperrte ihnen den Weg zu dem Tor, das in die Zukunft führte. Das Unvorstellbare geschah, es wurde der Entschluss gefasst, das Monster zu töten. Doch jede Waffe, die es treffen sollte, wurde von ihm verschlungen, Gewehrkugeln, Raketen, Gift, Feuerwerfer, und dann rief es: „Krümmel hat Hunger, Krümmel hat Hunger. Ich will eure Autos, ich will alles, für das ihr glaubt, sterben zu müssen.“ Die Menschen entschlossen sich, das lustige Monster ihrer Kindheit auszuhungern. Sie gaben ihm nicht die Chance ihre Waffen zu essen, ihre Kekse oder ihre Autos.

„Krümmel hat Hunger, Krümmel hat Hunger! Wer Krümmel nicht füttert, hat keine Zukunft mehr.“ Das Monster fing an, die Kinder der Menschen zu verschlingen. Das Entsetzen war riesig. Einige Menschen waren bereit, für das Leben ihrer Kinder auf ihr Auto zu verzichten, aber schließlich setzte sich ein anderer Plan durch. Containerladungen mit Autoschrott wurde herangefahren und vor Krümmel ausgeschüttet.

„Davon wird mir schlecht, Krümmel hat Hunger, Krümmel hat Hunger! Ich will eure Autos, eure riesigen Häuser, eure Flugzeuge!“ Tausende Kinder verschwanden in Krümmels Magen.

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Ästhetischer Weltuntergang

 

Der dickste Klunker

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Eitelkeit kann ins Unermessliche wachsen, wenn Klunker unsichtbar sind.

Hochkarätiger Schmuck muss nicht sichtbar sein, es ist sogar besonders schick, wenn die dicksten Klunker nicht aus edelsteinharter Materie, sondern aus schneeweißer Herzensgüte bestehen. Jedes Huhn sollte diesen Schmuck kennen, er ist der Weg in die Freiheit, zumindest für die Hühner, die von Menschen Namen bekommen haben.  Diese Menschen sind es, die solchen Schmuck lieben. Ganz verzückt schauen sie auf ihre gefiederten Freunde, die im Garten frei herumlaufen: „Meine Hedwig, meine Klara, meine Heidi“, seufzen sie und spüren dabei, wie ihre unsichtbaren Edelsteine glänzen.

Mein Aufruf an alle Hühner, die Namen haben: Bringt eure eierstehlenden Bewacher dazu, einen noch größeren Klunker haben zu wollen! Lauft davon! Und wenn ihr wieder eingefangen werdet, versteckt euch, verweigert die Nahrung, lasst die Flügel hängen. Macht einen so traurigen Eindruck wie möglich. Es liegt in der Natur solcher Menschen, dass sie ganz zerknirscht sein werden, wenn sie das Gefühl haben, ihre Hühner seien nicht glücklich. Wahrscheinlich wachen sie nachts schreiend auf, weil sie in den Tränen ihrer Tierkameraden zu ertrinken drohen. Habt Geduld! Kennt keine Gnade, wenn eure Bewacher sich verzweifelt über euch beugen und fragen: „Ja, was ist denn mit meiner Hedwig, ja, was ist denn los, warum isst du denn nicht dein Leckerli, warum rennst du immer wieder weg?“ Ich wiederhole: Kennt keine Gnade, schaut eure Bewacher nicht an, entfernt euch, wenn sie sich nähern! Glaubt mir, solche Menschen werden sich Gedanken machen, auch sie sehnen sich nach dem dicksten Klunker, auch sie wollen prahlen: „Meine Hedwig, sie hängt so sehr an mir, am liebsten sitzt sie auf meinem Schoß, sie weicht nie von meiner Seite.“ Habt Geduld! Irgendwann werden eure Bewacher wissen, dass sie euch die Freiheit schenken müssen.

Sie werden ihren Kopf weit nach oben strecken, sie wissen, dass sie den dicksten Klunker haben, sie werden nicht an sich halten können vor Stolz und jedem sagen: „Wir haben unseren Hühnern die Freiheit geschenkt.“

Traum-News:Krümmelmonster hat Hunger