Superhühner planen die Zukunft

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. „Die Zukunft wird besser und besser und besser“, sagen die Superhühner.

Vieles ist relativ auch die Zeit, leider hilft mir das nicht, in die Zukunft zu schauen. Diese relative Zeit trennt mich von den nächsten Tagen und Wochen. Aber vielleicht ist das, was dann geschehen wird, auch mehr oder weniger relativ, relativ wahrscheinlich oder unwahrscheinlich oder auch nicht.

Es gibt ein paar Supermenschen, die für die große Masse der Menschen die Zukunft gestalten oder zumindest gestalten wollen. Wenn es unter Hühnern auch solche Superhühner gäbe, würden sie sich vor mir zu ihrer vollen Größe strecken und mir zeigen, was sie schon alles für mich getan hätten. Sie würden sagen: „Vertraue uns. Schau, was wir schon für wunderbare Geräte für dich gebaut haben, du kannst jetzt messen, wie viele Meter zusammenkämen, wenn du alle deine Federn aneinanderlegen würdest. Du kannst die Anzahl der Grashalme, die zwischen dir und dem nächsten Wurm liegen, genau bestimmen. Du kannst sogar schon aus der Ferne erkennen, wie groß der Hunger ist, den du mit diesem entsprechenden Wurm stillen kannst und wie lange du brauchen wirst, um ihn zu verdauen. Während ich den Superhühnern zuhören würde, hätte ich das Gefühl, doch einen Blick in die Zukunft erhaschen zu können. Dort sähe ich, wie ich die Anzahl der Federn meiner Küken bestimme, die noch gar nicht ausgeschlüpft sind. Ich sähe künstlich veränderte Würmer, die automatisch in meine Richtung kriechen, die Grashalme, die zwischen uns liegen, muss ich nicht mehr bestimmen. Und die Superhühner brüten ständig über neuen Ideen, ihre Köpfe senden pro Sekunde tausend Blitze aus, die sich auf der ganzen Welt ausbreiten.

Wäre das wirklich eine Vorausschau der Zukunft? Oder hätten die Schnäbel solcher Superhühner einen Knick, der ihnen die Sicht auf die Welt verstellen würde? Die relative Zeit verbirgt mir schon den Blick auf den Grashalm, der von meinen nächsten Exkrementen getroffen werden wird.

 

Traum-News: Einkaufszentrum ohne Ausgang

 

Der Professor auf der Leiter

Traum-News: Wenn die Welt für den Professor plötzlich eine andere wird, wenn alles, woran er geglaubt hat, zusammenbricht.

Professor T. stöhnte unter dem Gewicht seiner Aktentasche, in der sich Klausuraufgaben für zehntausend Studenten befanden. Aber nicht nur deshalb stöhnte er. Er würde nicht nur allein die Klausur beaufsichtigen müssen, sondern auch jedem einzelnen Studenten die Blätter mit den Prüfungsfragen aushändigen und ihm viel Glück wünschen müssen. Kurz kam Professor T. der Gedanke, dass er sich in einem Traum befinden könnte, weil die Aufgabe, die vor ihm lag unmöglich zu bewältigen war, und weil in eine Aktentasche niemals so viel Papier passen konnte. Er ging weiter und vergaß den Gedanken. Es war ein Tag wie jeder andere und wieder der Tag, an dem Professor T. wie in jedem Semester die Klausur über das Wirtschaftswachstum schreiben ließ. Kein Student würde die Universität verlassen dürfen, ohne genau zu wissen, welche Möglichkeiten es gab, das Wachstum zu steigern.

Als er den Hörsaal betrat oder besser gesagt das Stadion, anders ist ein solcher Raum nicht zu beschreiben, saßen bereits alle Studenten auf ihrem Platz. Als Professor T. die Klausurblätter aus seiner Aktentasche geholt und aufeinandergelegt hatte, reichten sie vom Boden bis zur Decke. Der Professor war froh, dass ein vorausschauender Mitarbeiter der Universität eine Leiter bereitgestellt hatte, damit alle Blätter aufeinandergestapelt werden konnten. Mit so vielen Klausureinheiten, wie er mit einer Hand halten konnte, wollte er wieder von der Leiter heruntersteigen, um die Aufgaben zu verteilen, an jeden einzelnen Studenten persönlich. Er war gerade die erste Sprosse heruntergestiegen, als er einen kurzen Blick auf die Überschrift der Klausur warf: Wie muss Wirtschaft die Zukunft gestalten bei knappen Ressourcen.

Professor T. wurde schwindelig, innerhalb von einer Sekunde lief ihm der Schweiß vom Gesicht herunter. Das war nicht seine Klausur, aber ganz deutlich und groß stand sein Name auf dem Blatt. Und es wurde noch schlimmer, die Fragen, die die Studenten beantworten sollten, waren in einer Sprache geschrieben, die Professor T. nicht kannte. Er ließ die Blätter fallen und klammerte sich mit beiden Händen an der Leiter fest, er zitterte am ganzen Körper, dabei spürte er die Blicke aller Studenten auf sich gerichtet. Er schnappte nach Luft und glaubte zu ersticken. „Ich bin in einem Traum, ich muss aufwachen, ich muss aufwachen. Es geht um das Wirtschaftswachstum, um sonst nichts.“

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Superhühner planen die Zukunft

Link: Wirtschaftswachstum

 

Wissenschaftler hören die Geschichte der Wolken nicht

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Wissenschaftler hören nur mit einem Ohr, sehen nur mit einem Auge.

Ein Wissenschaftler könnte mir erklären, wie es in diesem Winter zu so vielen Wolken kam, Wolkenströmen, Wolkenbergen, Wolkenangriffen. Zeitweise war ich ein sehr trauriges Huhn. „Sonne, Sonne, wo bist du?“, habe ich innerlich gerufen. Würden mich die Erklärungen eines Wissenschaftlers befriedigen, würden sie mich berühren, mir den Horizont öffnen für eine Sonne, die auch über den dunkelsten Wolken scheint? Menschen glauben an die Wissenschaft, sie sagt auch die Wahrheit oder sucht nach ihr, wenn es ehrlich zugeht. Aber glauben möchte ich an etwas anderes. Ich möchte an eine Geschichte glauben, die die Wolken erzählen, eine Geschichte über geschredderte Küken, deren Schreie in den Wolken weiterleben, die nicht verstummt sind mit dem Tod. Dann wäre ich ein noch traurigeres Huhn, wenn ich die Wolken sähe, aber ich wüsste, dass das Gräuel eine Spur hinterlassen hat, die jeder sehen kann.

Es gibt auch Wissenschaftler, Ökonomen, die mir genau erklären könnten, warum es notwendig ist, diese Wolkengeschichte hinzunehmen. Er würde die Masse der Wolken vermessen und sie mit den Kosten verrechnen, die das Weiterleben der Küken verursachen würde. Sein Ergebnis wäre eindeutig und an das, was er sagt, muss jeder Mensch glauben, sonst geriete das ganze Weltgebäude ins Wanken. Ein gewitzter Wissenschaftler würde die Sache anders angehen, er würde mir beweisen, dass die Wolken nur aus verdunstetem Wasser bestehen und nichts mit geschredderten Küken zu tun haben. Seine Gewitztheit würde sich auch darin ausdrücken, dass er mir die Ergebnisse seiner Forschung in einer entsprechenden Huhnsprache verständlich machen würde. Wehe, wenn ich bei meiner Geschichte von den geschredderten Küken bliebe! Dann wäre ich das dümmste Huhn, das nie mehr seinen Schnabel zu öffnen braucht.

Wenn ich zu den Wolken emporschaue, weiß ich, dass meine Geschichte wahr ist.

Traum-News: Der Professor auf der Leiter

Link: Was kann Wissenschaft

In den Wolken über Deutschland

Traum-News: Die diesjährige Armutskonferenz fand in den Wolken statt. Die Bedingungen waren schwierig, es gab heftige Turbulenzen.

Bei der Konferenz soll es häufig geblitzt haben, oft konnte man wegen des Donners kein Wort verstehen. Aber die Organisatoren waren der Meinung, dass die Wolken der einzig richtige Ort für diese Veranstaltung wären, da die Armen sich aufgrund von Isolation und Ignoranz in Menschen verwandeln, die nicht genügend Schwerkraft haben, um sich auf der Erde zu halten. Es wurde berichtet, dass sich immer mehr Menschen davor fürchten, selbst zu solch einem Geisterwesen zu werden.

Eine Frau sah im Spiegel, wie sich das Gesicht eines dieser Geisterwesen über ihr eigenes schob. Dieses Ereignis dauerte nur ein paar Sekunden, aber danach musste die Frau feststellen, dass sich ihre ganze Wohnung verändert hatte. Überall hingen Spinnenweben, die Kleidung in ihrem Schrank war zerfetzt und voller Löcher, die Tapeten hingen von den Wänden herab und das Fleisch, das im Kühlschrank lag, hatte sich in einen Stein verwandelt. Als sie aus ihrer Wohnung stürzte, um Hilfe zu holen, konnte sie ihren Mund nicht mehr öffnen. Auf der Straße versuchte sie mit Handzeichen, auf sich aufmerksam zu machen, aber die Menschen gingen einfach durch sie hindurch. War sie bereits ganz in der Welt der Geisterwesen angekommen? Nachdem die Frau in ihre Wohnung zurückgekehrt war, saß sie stundenlang erstarrt auf ihrem Sofa. Erst gegen Mittag kehrte die Wohnung langsam wieder in den normalen Zustand zurück. Dieser Bericht ist nur einer von vielen.

Die Zunahme der Geisterwesen hat dazu geführt, dass sich immer mehr Bürger zusammenschließen, um Maßnahme zu entwickeln, diese Wesen von sich fernzuhalten. Es gibt bereits mehrere Vorschläge. So soll es eine App geben, die schon aus der Ferne die kaum hörbaren und unrhythmischen Herzschläge der Wesen registriert. Mit der gleichen App sollen elektrische Stöße verabreicht werden können, die die Herzschläge weiter aus dem Rhythmus bringen. Die Geisterwesen werden dann noch schneller ihre Schwerkraft verlieren und sich von der Erde entfernen. Sobald sie eine Höhe erreichen, in der der Sauerstoff deutlich abnimmt, sollen sie sich ganz auflösen.

Auf der Armutskonferenz wurde versucht, Kontakt zu den Geisterwesen aufzunehmen in der Hoffnung, dass sie in Höhe der Wolken noch zu retten sind. Der Erfolg ist ungewiss.

Wissenschaftler hören die Geschichte der Wolken nicht

Link: Deshalb wird Armut nicht bekämpft