Huhn-Nektar ist so etwas wie Pferdeapfel

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Wer den Pferdeapfel zu schätzen weiß, hat schon vieles verstanden.

Dass die menschliche Existenz auch auf Pferdeäpfeln beruht, sollte mehr in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion rücken. Es könnte die Welt verändern! Allein das Wort sagt schon alles – Pferdeapfel – das klingt nicht wie Scheiße, Kacke, Kot, kein widerlicher Geruch dringt einem bei dieser Vorstellung in die Nase. Apfel! Paradiesische Frucht! Gärtner wissen das. Sie düngen ihre Erde mit diesem sogenannten Mist. Ohne ihn gibt es keine gute Ernte, und keine gute Ernte bedeutet, wenn man es ganz existentiell betrachtet, das menschliche Leben gerät ins Wanken.

Ich verstehe nicht, dass sich noch keine Religion dieser großen Symbolik angenommen hat. Der Mensch wird auch aus Scheiße geboren. Ganz andere Heiligenbilder könnten geschaffen werden. Der heilige Anton hockt auf einem Feld, und als Zeichen seiner inneren Reinheit scheißt er Pferdeäpfel. Als Beweis dafür gibt es einen Schrein mit der entsprechenden Reliquie. Das meine ich ganz ernst. Darüber könnten ganze philosophische Abhandlungen geschrieben werden.

Kein Mensch kommt auf den Gedanken, die Erde mit Geld oder Gold zu düngen. Das Leben erhält und trägt sich mit der Hilfe von Scheiße. Das müsste auf der ersten Seite großer Tageszeitungen stehen, entsprechend bebildert mit einem Pferdeapfel. Dann könnte das Leben ein anderes sein.

Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen neidisch auf die edlen Rösser und ihre Ausscheidungen. Ich weiß nicht, ob meine Huhn-Exkremente die gleiche Wirkung auf das Wachstum von Pflanzen haben. Aber ich möchte mir vorstellen, dass es so ist. Jetzt erledige ich mein Geschäft mit einer ganz anderen Haltung. Ich suche mir einen kleinen Baum und hoffe, dass es ein Segen für ihn ist, wenn ich mich in seiner Nähe entleere. Anschließend drücke ich meinen Huhn-Nektar – ja, so möchte ich das nennen – noch in die Erde hinein und hoffe, dass dadurch ein Wachstumsschub ausgelöst wird.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Ein Huhn das kein Suppenhuhn ist

Link: Pferdeäpfel

Gute Menschen brüten schwarze Eier aus

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Schwarze Eier werden nicht von Hühnern gelegt.

Menschen, die schwarze Eier ausbrüten, fürchten sich nicht vor sich selbst. Auch ihre Kinder fürchten sich nicht vor ihnen. Als wären die schwarzen Eier Spielzeuge, lustig, harmlos und klein. Die Menschen tun alles, um sie zu beschützen. Sie sind wirklich gute Menschen, sie können unterscheiden, was richtig und falsch ist. Sie wissen, sich auszudrücken, sind intelligent und gebildet, sie lesen die richtigen Zeitungen und Bücher, empören sich über Unmoral, autoritäre Führer und deren Lügen.

Es gibt Momente, und es sind immer nur Momente, in denen sie mit Unbehagen auf ihre schwarzen Eier schauen. Aber das einzige, was zählt, ist das Brüten. Manchmal scheinen die Eier ganz heiß zu werden, und sie fangen an, von innen zu glühen, als würden ungeborene Drachen üben, Feuer aus ihren Rachen zu speien. Dann hört man ein Kratzen am Inneren der Schale. Schärfen die Drachen bereits ihre Krallen?

Wer soll sich vor den guten Menschen fürchten? Sollen ihre Kinder Alpträume von ihnen haben, sollen ihre Kinder von Drachen träumen, die ihre Welt verschlingen? Die Eltern sorgen doch für alles, sie arbeiten an einer wunderbaren Welt, ihnen geht es gut. Wie sollte es ihnen jemals schlecht ergehen?

Wann werden die Schalen von innen zerbrochen? Wann wird sichtbar, ob Drachen geboren werden? Wenn die Stürme kommen, wenn Wasser das Land verschlingt?

Jetzt muss ich aufhören, diesen Text weiterzuschreiben, die Geschichte ist zu alt, sie wurde zu oft erzählt, sie ist zu oft im Fernsehen gelaufen. Ja, ja, alles wird ein dunkles Ende nehmen. Die Kinder könnten anfangen, nach einem Führer zu schreien, der alles wieder zum Guten wendet, der allein mit seiner Willenskraft die Fluten wieder in Eisberge verwandelt und alle Feinde besiegt, ein richtig Mann, ein richtiger Kerl.

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Huhn-Nektar ist so etwas wie Pferdeapfel

Link: Die gefallenen Prinzessinnen

Zum Glück bin ich kein Raubtier

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Als Raubtier müsste ich beim Anblick der Beute langsam verhungern.

Ich esse Würmer, aber ich bin kein Raubtier – zumindest kein richtiges oder nur ein halbes Raubtier. Ein Wurm wehrt sich nicht, er kann mich nicht stechen, nicht treten, er hat keine Hörner, und er ist nicht schnell. Ich muss ihn nur finden und fressen. Das ist gut, weil ich seit einiger Zeit ein steifes Bein habe und hinke. Es ist auch gut, dass ich kein Mensch bin. Menschen dürfen nicht jammern und klagen, ihnen muss es immer gut gehen, sonst haben sie etwas falsch gemacht.

Als Huhn lasse ich einfach den Kopf hängen und stöhne: „Mein armes Bein, mein armes Bein, oh, ich armes, armes Huhn!“ Das befreit, danach kann ich wieder hinkend, aber trotzdem voller Kraft auf die Suche nach dem nächsten Wurm gehen. Dabei spreche ich mit meinem steifen Bein und rede ihm gut zu: „Du bist die Säule des Tempels, der meine Huhnseele beherbergt. Du bist nicht vollkommen, trotzdem trägst du mich zum nächsten Wurm. Du musst dich nicht fürchten zu versagen, selbst wenn ein Fuchs auf mich lauern sollte, ist mein Tempel auch noch mit Flügeln gesegnet, die mich auf einen sicheren Baum tragen werden.“

Ein Raubtier, ein richtiges Raubtier mit Reißzähnen, müsste zusehen, wie die Beute entkommt, immer und immer wieder entkommt, und es würde langsam verhungern. Auch viele Menschen verhungern, obwohl sie keine richtigen Raubtiere sind. Sie sind Mega-Raubtiere, doppelt und zehnfach Raubtiere, die Artgenossen töten. Sie essen mehr Beute, als sie jemals erlegen könnten. Und was könnten sie schon jagen, wenn sie nichts hätten als ihre Hände und ein paar Mini-Zähnchen. Wahrscheinlich haben Menschen einen Komplex, den Nicht-Raubtier-Komplex. Und dann dürfen sie auch noch zu allem Unglück nicht klagen und jammern. Deshalb bin ich jetzt großzügig, ich jammer und klage für sie: „Arme, arme Mega-Raubtiere!“

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Gute Menschen brüten schwarze Eier aus

Link: Der Mensch ist ein Super-Raubtier

Wetterbericht für das unentdeckte Land

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Ein Wetterbericht für das unentdeckte Land ist nicht immer zuverlässig.

Auch für mich als Huhn hat ein Wetterbericht Vorteile, ich weiß, wann ich mir einen Unterschlupf suchen muss. Dort träume ich oft von einem unentdeckten Land, in dem Hühner frei leben können. Menschen kennen solche Träume. Aber es gibt kein unentdecktes Land mehr, außer in der Fantasie, auf dem Mars oder in der Gestaltung einer neuen Welt, die sich dann doch wieder nach hoffnungsvollem Beginn in die alte verwandelt.

Selbst in meinen Träumen bin ich nicht sicher vor Gefahren, meine Träume wollen nicht rosig sein. Am Anfang ist noch alles gut, ein magischer Wetterbericht verspricht mir einen ganzjährigen Frühling im unentdeckten Land. Doch es dauert nicht lange, dann komme ich in Stürme, die heftiger sind als jeder Sturm, den ich in der realen Welt erlebt habe. Es kommt sogar noch schlimmer. Ich sehe einen wunderschönen Baum wie aus der besten aller Welten, einen Baum, auf dem ein Huhn am liebsten sein ganzes Leben verbringen würde. Aber die äußere Erscheinung ist List, Tücke, Täuschung. Der Baum ist ein Vogel fressender Baum. Kaum habe ich mich niedergelassen auf meinem neuen Heimatast, schießt aus der Rinde des Stamms ein Rüssel hervor und saugt mich auf. Ich war mal ein Huhn.

Natürlich fange ich an, einen neuen Traum zu entwickeln und glaube, ein klügeres Huhn geworden zu sein, ein Huhn, das Vogel fressende Bäume sofort erkennen kann. Wieder bekomme ich einen magischen Wetterbericht, der mir eine wunderbare Welt verspricht. Ich mache mich auf den Weg. Ich gehe und fliege an jedem vielversprechenden Baum vorbei und setze mich schließlich unter einen Strauch, aus dem unmöglich ein Rüssel hervorschießen kann, der groß genug wäre, um ein Huhn zu verschlingen. Plötzlich merke ich, dass ich meine Glieder nicht mehr bewegen kann, der Strauch hat ein lähmendes Gift abgesondert. Seine Blätter verwandeln sich in unzählige kleine Mäuler. Und wieder war ich mal ein Huhn.

Ich beginne, neu zu träumen.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Zum Glück bin ich kein Raubtier

Link: Traum von einer besseren Welt