Wenn ein Huhn Haare hätte

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Wäre ich noch ein Huhn, wenn ich Haare hätte?

Neue Ideen entstehen oft dadurch,  dass scheinbar Unvereinbares zusammengedacht wird – ein Huhn mit Haaren. Sie müssen nicht am ganzen Körper wachsen, vielleicht nur eine kleine Locke am Hinterkopf, und trotzdem könnten dadurch Assoziationen entstehen, die ich mir lieber nicht vorstellen möchte. Jemand könnte über eine Verwandtschaft zwischen Huhn und Mensch nachdenken. Unvorstellbar! Ich bin ja gewillt zuzugeben, dass ich Eigenschaften besitze, die man mit Menschen verbindet. Natürlich bekomme ich deshalb Magenkrämpfe. Der Mensch ist der Feind, und mit dem hat keiner gern Gemeinsamkeiten. Wenn ich einen Traum hätte, in dem mir Haare wüchsen, ich würde laut schreiend aufwachen.

Ein Feind ist ein Feind, ist ein Feind, ist ein Feind. Ein Mensch, der glaubt, moralische Grundsätze zu haben, würde mir mangelnde Weisheit vorwerfen. Natürlich könnte ich endlos viele Argumente finden, diesen Vorwurf an ihn zurückzugeben. Es gibt einfach Dinge, da will der Verstand nicht weitergehen, nicht bei einem Huhn und nicht bei einem Menschen.

Aber in Träumen setzt der Verstand aus, da verschwimmen alle Grenzen. Wenn es in einem Traum acht Uhr ist, kann es gleichzeitig zwei Uhr sein. Es gibt dort rote Ozeane, Körper, die nach oben fallen und Hühner mit Haaren. Es kann sogar noch schlimmer kommen. Ich schlage im Traum ein Buch auf, in dem wissenschaftliche Beweise aufgeführt werden, die eine Verwandtschaft zwischen Huhn und Mensch unwiderlegbar machen. Es gibt kein Entkommen mehr für mich. Ich laufe panisch durch einen Spiegelsaal, und aus jedem Spiegel schaut mich ein Huhn an, das Haare hat und ruft: „Ich bin Huhn und Mensch zugleich.“

Ein Feind ist ein Feind, ist ein Feind, ist ein Feind. Das weiß ich genau, wenn ich wach bin. Soll ich aufhören zu schlafen? Soll ich aufhören zu träumen?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Wetterbericht für das unentdeckte Land

Link: Mischwesen

Hurra wir sind harmlos und haben Spaß

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. Gott bewahre mich davor, ein Huhn zu sein, das harmlos ist!

Ein Huhn hat keine Reißzähne, es hat keine Krallen wie ein Bär oder ein Löwe, aber ist es deshalb harmlos? Ist Harmlosigkeit etwas, worauf man stolz sein kann? Ich glaube, dass gerade die Deutschen sich darin sonnen, harmlos zu erscheinen. Sie haben doch nur Spaß, sie genießen doch nur, sie sind freundlich, brav und fleißig – das bilden sie sich ein, sie bilden sich vieles ein.

Sie genießen Hühner, sie genießen Eier, jeden Tag, das kostet nicht viel. Vor allem haben sie Spaß an bunten Eiern, und sie haben Spaß, wenn sie sich lustige Tierfilme anschauen. Tiere sind so süß! Und so harmlos und herzig. Und alles ist ohne Risiko, alles ist leicht und duftig. Es ist schön, leicht und duftig durch die Welt zu schweben, leicht und duftig gekleidet zu sein, und alles ist sauber und glänzt. Zu Ostern gibt es sogar silberne und goldene Eier. Und das beste ist, dass es keinen Gott mehr gibt, der danach fragt, wie man gelebt hat, ob das Leben irgendeinen Sinn gehabt hat. Wenn der Tod kommt, wird auch er freundlich und brav sein, und der Mensch wird freundlich und brav im Nichts verschwinden.

Da ich kein harmloses Huhn sein will, würde ich sagen, dass man einen Gott erfinden müsste, wenn es ihn nicht gibt. Es wäre sogar gut, wenn er etwas böse sein könnte, weil es für sein Wohlwollen nicht ausreichen würde, ein freundliches, braves, fleißiges, spaßiges Leben zu führen. Nein, ich will wirklich kein harmloses Huhn sein, ich will, dass meine Gedanken scharf sind wie die Krallen eines Löwen, und ich will diese Gedanken nicht für mich behalten, selbst wenn das keinen Spaß macht und kein Genuss ist.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Wenn ein Huhn Haare hätte

Link: Die Spaßgesellschaft und ihre Folgen