Schönheit einer Ratte

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. Die Schönheit einer Ratte kann man hören, selbst wenn sie kein Wort spricht.

Ein Ratte hat keine Ähnlichkeit mit einem Huhn, trotzdem sah ich selten ein so schönes Tier. Das hat nichts mit dem langen Schwanz zu tun oder mit den Ohren. Die Schönheit nahm ich schon wahr, bevor ich sie überhaupt gesehen hatte. Ich hörte sie erst nur. Die Ratte seufzte. Seufzen muss kein Ausdruck von Schönheit sein, das ist mir bewusst, aber dieses Seufzen war besonders. Ein Wissen über das Leben schien darin zu liegen, ich fühlte mich erkannt. Ich glaubte, zum ersten Mal jemandem begegnet zu sein, der weiß, wie das Leben eines Huhns aussieht, das allein durch die Welt läuft.

Die Ratte befand sich links hinter mir, ich traute mich nicht, mich umzuschauen, ich glaubte auch erst, mir dieses Seufzen nur eingebildet zu haben, und ich fragte mich, ob es mein eigenes Seufzen gewesen war. Ich hörte ein Rascheln, dann saß die Ratte neben mir. Suchte sie meine Nähe, erkannte sie in mir eine Seelenverwandte? Wieder seufzte das kleine Tier, ich berührte es mit meinem Flügel und schaute es an. Ich sah die Augen, erkannte die Schönheit. Sie strahlte nicht Perfektion aus. Ich erkannte kein Glück oder Unglück, sondern beides auf einmal und noch vieles mehr.

Was für ein Leben hatte diese Ratte geführt? Wir sprachen nicht miteinander, aber wir blieben dicht nebeneinander sitzen. Und obwohl keiner ein Wort sagte, glaubte ich eine lange Geschichte zu hören, und ich hörte mich selbst mein ganzes Leben erzählen. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, das merkte ich daran, dass ich aufwachte. Die Ratte war verschwunden. Es war ein schmerzhaftes Erwachen. Hatte es die Ratte je gegeben? Diese Frage stellte ich mir wirklich, und ich stelle sie mir noch heute, obwohl die Begegnung schon einige Zeit zurückliegt. Zweifle ich an dieser Begegnung oder nur daran, dass es eine Ratte geben kann, die mein Huhnsein versteht?

 

Die IQ-Huhn erklärt die Welt: Moderne Schlaflieder

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Fluchtpunkt und alles ist möglich oder auch nicht

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Am Fluchtpunkt können Hühner Arien singen und Motorrad fahren, leider.

Wenn mir alles zu schwierig wird, kann ich die Augen schließen und mich an meinen inneren Fluchtpunkt zurückziehen. Ich kann eine ganz neue Welt entstehen lassen mit Menschen, die kleiner sind als Ameisen und Hühnern, die größer sind als Elefanten. Dabei spielt es keine Rolle, ob so etwas wahr werden kann, es ist einfach nur schön und entspannend.

Noch besser wäre ein Traum, in dem keine Menschen vorkommen. Aber wie soll das gehen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir selbst einen Streich spiele. Ich träume z. B. davon, Motorrad zu fahren. Das klingt harmlos, ist es für mich aber nicht. Menschen fahren mit dem Motorrad, und ich will mit diesen Wesen keine Gemeinsamkeit herstellen. Ich bin ein Huhn! Ich erhebe mich in meiner Fantasie ganz schnell in die Luft, um wieder ich selbst zu sein. Ich fliege und fliege und bin ganz Huhn. Irgendwann lande ich auf dem Boden und sehe überall nur Hühner um mich herum. Endlich! Ich bin in einer besseren Welt gelandet. Und dann geschieht es wieder. Die Hühner fangen an, Arien zu singen. Menschen singen Arien! Wieder fliege ich hoch, um ganz ich selbst zu sein. Kann ich nicht zumindest in meiner Fantasie eine Welt ohne Menschen erschaffen?

Ich stelle mir einen gigantischen Bagger vor, mit dem ich die Menschen hochhebe und über den Horizont hinaus wegschleudere. Ein Bagger ist ein Gerät, das von Menschen gebaut wurde! Es scheint kein Entkommen zu geben. Und wenn ich versuche, gar nicht zu denken, denke ich, dass ich nicht denken darf, um nicht an Menschen zu denken. Wenn ich Huhn denke, denke ich Huhn als Gegenspieler des Menschen. Was muss ich denken, um nicht Mensch zu denken, sondern nur Huhn, Huhn, Huhn?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Schönheit einer Ratte

Link: Tagträume spornen die Kreativität an

Restrisiko beim Pilgern

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Als Vision beim Pilgern lebt ein Huhn gefährlich.

Christen-Menschen gehen lange Wege, wenn sie die Stimme ihres Gottes hören wollen, so etwas nennen sie pilgern. Das muss mich nicht interessieren, mein Gott müsste als Huhn auf die Welt kommen, um für mich glaubwürdig zu sein. Und trotzdem kann ich nicht aufhören, über den Glauben der Menschen nachzudenken. Vielleicht sind meine Gedanken verrückt oder zumindest etwas seltsam, aber wenn man einen Weg sucht, das Leben der Hühner zu verbessern, muss man außergewöhnliche Ideen haben. Beim Pilgern sind Menschen empfänglich für neue Erkenntnisse, für Visionen oder auch nur scheinbare Visionen. Ich könnte als Vision oder Erkenntnis auftreten, ich falle auf die Knie, strecke meine Flügel dem Himmel entgegen, als hätte ich Gott geschaut. Das sollen die Pilger denken. Ein Huhn empfängt das Licht des Herrn! Ein Huhn wird von Gott gerufen, und es lauscht! Kann man ein solches Huhn noch essen, kann man überhaupt noch Hühner essen, wenn sie fähig sind, Christus als ihren Erlöser zu erfahren?

Müssen die Menschen wirklich glauben, eine neue Erkenntnis oder eine göttliche Vision zu haben, wenn sie mich so knien sehen? Was ist, wenn sie nur ein ganz normales Huhn sehen, ein Mittagessen, eine Eierlegmaschine? Ich merke schon, wie ich allein bei dieser Vorstellung anfange zu hyperventilieren. Was wird erst sein, wenn ich einem Menschen in der Realität gegenüberstehe? Dann werde ich wahrscheinlich nicht auf die Knie fallen, sondern nur noch laufen, laufen, laufen.

Oder kann ich mich ausreichend mit Kraft und Mut aufladen, sodass meine Idee mich beflügelt? Ist das mein Pilgerweg, als Huhn aufzutreten, welches das Licht des Herrn empfängt? Sollte ich an einen Huhn-Gott glauben, der mich begleitet und mich über alle Ängste hinwegträgt? Huhn-Gott, hörst du mein Rufen, hörst du mein Flehen?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Fluchtpunkt und alles ist möglich oder auch nicht

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Wie anders sind Raben

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Können Raben ein Huhn als einen normalen Vogel erkennen?

Wenn ich über eine Wiese spaziere, treffe ich dort – ich muss es eigentlich nicht erwähnen – keine Hühner, aber Raben und Amseln.  Sie sind Vögel, genauso wie ich ein Vogel bin.  Und doch komme ich mir vor wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Vielleicht liegt das daran, dass ich glaube, komisch angeschaut zu werden. Ich bin weiß, ich bin größer, und vor allem bin ich der einzige Vogel, der so ausschaut wie ich. Ich versuche so zu tun, als wäre mein Dasein ganz normal. Das ist es auch, ich bin in meiner Art nicht außergewöhnlich, aber auf einer Wiese schon.

Wie muss ich mich verhalten, um normal zu wirken? Ich setze einen Fuß vor den anderen, dabei ist mein Gang wahrscheinlich steifer als sonst, zwischendurch fliege ich ein Stück, dann schaue ich auf den Boden, um einen Wurm zu finde, alles normal. Trotzdem verschwimmen mir manchmal die Grashalme vor Augen, so aufgeregt bin ich. Einen Wurm, selbst wenn er besonders dick wäre, würde ich gar nicht wahrnehmen. Ich bin ein kluges Huhn, davon bin ich überzeugt, aber das schützt mich nicht vor einer Angst, die unbegründet ist. Oder scheint sie nur unbegründet zu sein? Ein Rabe hat einen massigen Körper und einen kräftigen Schnabel. Wer von uns aus einem Kampf als Sieger hervorgehen würde, ist ungewiss. Aber zu einem Kampf muss es gar nicht kommen, ich bin ein sensibles Huhn. Eine abfällige Bemerkung würde mich schon verletzten.

Es fällt mir schwer einzugestehen, dass ich manchmal richtig in Panik gerate. Selbst wenn gar kein Rabe da ist, glaube ich seine Blicke zu spüren. Dann möchte ich am liebsten auf das schwarze Ungetüm, das gar nicht da ist, losgehen und es anschreien: „Du blödes Federvieh, das ist meine Wiese, verschwinde, sonst hacke ich dich tot!“

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Restrisiko beim Pilgern

Link: Schlaue Raben