Hühner müssen Konsumenten werden

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. Politische Forderung: Freiheit für Hühner als Konsumenten!

Es mag verrückt klingen, von Hühnern als Konsumenten zu sprechen, aber ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht. Ich frage mich jeden Tag, welche Wege es geben könnte, die Lebensumstände der Hühner in dieser Welt zu verbessern. Der Konsument ist die Lebensform, die niemals umgebracht wird. Ein Huhn, das mit einem Geldschein im Schnabel in ein Einkaufzentrum ginge, wäre eine Kraft, der sich keiner entgegenstellen würde. Noch ist das ein ferner Traum, aber irgendwann muss ein Gedanke erst einmal gedacht werden.

Hunde und Katzen haben es schon geschafft, Konsumenten zu werden. Ich weiß aber nicht, ob wir Hühner dazu bereit wären, den Menschen ständig das Gefühl zu vermitteln, besonders wichtig zu sein. Das ist der Preis, den Hunde und Katzen dafür bezahlen. Die Frage ist also: Wie können wir Hühner zur Daseinsform der Konsumenten wechseln, ohne ständig mit Menschen zusammen sein zu müssen? Hühner sollen frei leben dürfen, sie sollen auf Bäumen schlafen dürfen.

Ganz ohne etwas mit Menschen zu tun zu haben, wird es nicht gehen. Wir Hühner müssen irgendwie an Geld kommen. Ohne Geld können wir nie Konsumenten werden. Wir könnten spezielle Fähigkeiten entwickeln, die für Menschen reizvoll sind. Wie wir dabei trotzdem ein gewisses Maß an Freiheit erlangen, kann ein unlösbares Problem werden. Und wir müssten Dinge kaufen, die war gar nicht brauchen. Wir müssten nur kaufen, um unangreifbar zu sein.

Wenn wir einen Weg finden, diese Probleme zu lösen, können wir zum Vorbild für andere Tiere werden. Ich weiß, meine Phantasie geht jetzt etwas mit mir durch, aber wenn viele Tierarten zu Konsumenten würden, könnten sie gemeinsam mit der Zeit eine riesige Macht entwickeln. Mit dieser Macht zerstören wir dann alle Einkaufszentren, dann kann keiner mehr Konsument sein, und alle sind frei.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Nachtwanderungen unter der Sonne

Link: Machenschaften der Haustierindustrie

Wetter – Wiedergeburt der Götter

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. Lauschangriff bei Gesprächen über das Wetter.

Menschen reden immer über das Wetter, es scheint ein wichtiges Thema zu sein. Vielleicht sprechen sie gelegentlich auch über etwas anderes, aber Wind, Regen und Sonnenschein sind unschlagbar. Das Wesentliche ist aber, dass es in diesen Gesprächen um etwas anderes geht. Ich habe viele Gespräche belauscht. Ich halte mich für klug genug, um bei meinen Lauschangriffen nicht bemerkt zu werden. Ich achte auch darauf, meine Lauschangriffe in unterschiedlichen Situationen durchzuführen. Ich will das menschliche Verhalten genau studieren. Die Gespräche, die ich höre, scheinen banal zu sein:

„Heute haben wir aber ein schönes Wetter.“

„Ja, so einen Sonnenschein hatten wir schon lange nicht mehr.“

„Und das zu dieser Jahreszeit.“

„Morgen soll es immer noch schön sein.“

„Unglaublich.“

„Ja, dreißig Grad.“

„Ja, unglaublich.“

„Hat es so etwas schon einmal gegeben? Man hat das Gefühl, im Süden zu sein.“

„Hier in Deutschland, ich kann es kaum fassen.“

„Und es ist keine Wolke am Himmel.“

„Morgen soll es wieder Wolken geben.“

„Ja, aber es bleibt heiß.“

„Ich hatte gar nicht daran gedacht, dieses Jahr noch einmal ein T-Shirt anzuziehen.“

„Übermorgen soll es sogar noch wärmer werden.“

„Ich habe gehört, es soll die ganze Woche noch so weitergehen.“

„Hoffentlich wird der Winter dieses Jahr nicht zu kalt.“

„Schnee ist gelegentlich auch ganz schön.“

„Ja, Schnee ist schön, aber die Sonne muss scheinen, und es darf nicht zu kalt sein.“

„Jetzt können wir aber erst einmal heute dieses wunderbare Wetter genießen.“

„Unglaubliche, diese Wärme.“

„Das habe ich zu dieser Jahreszeit noch nie erlebt.“

Unzählige solcher Gespräche habe ich belauscht. Gelegentlich habe ich mich dabei gelangweilt, das gebe ich zu. Aber dann hörte ich die Stimme der Wettergötter. Nein, ich bin nicht verrückt! Ich weiß, dass kein Mensch mehr an Wettergötter glaubt. Es muss sie auch nicht wirklich geben. In den Gesprächen der Menschen sind sie trotzdem präsent. Hören Sie genau hin, hören Sie das, was nicht direkt gesagt wird: Was wird werden, was kann noch geschehen, wird das Gute bleiben? Kann morgen nicht schon wieder alles ganz anders sein? Sind die Götter milde gestimmt?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Hühner müssen Konsumenten werden

Link: Regentanz

Die Zeit im Versteck

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Ein Versteck der Zeit muss ich finden!

Ich weiß nicht, wie ein Versteck aussieht, in dem Zeit gehortet wird, aber es muss unendlich viele Verstecke geben. Welche Form hat Zeit, die gespart worden ist? Kann ich sie in eine kleine Kiste tun, wenn ich sie aus dem Versteck herausnehme, oder kann ich sie digital auf einem Handy speichern? Kann ich sie verschenken oder verkaufen? Ich weiß nicht, warum das ein so großes Geheimnis ist. Keiner spricht darüber, wo er seine Zeit aufbewahrt. Sie soll sehr kostbar sein, deshalb glaube ich nicht, dass die Menschen sie unter ihr Kopfkissen legen.

Wenn ich jetzt irgendwoher gesparte Zeit bekäme, wenn ich sie direkt vor meinem Schnabel hätte und sie berühren würde, was geschähe dann? Würde ich wieder zu einem Küken, würde ich so bleiben wie ich bin und einfach ein doppelt so langes Leben haben? Ich weiß, das sind viele Fragen, aber keiner stellt sie. Es müsste genaue Anleitungen dafür geben, wie die gesparte Zeit in ein langes Leben verwandelt wird. Vielleicht muss ich die Zeit mit meinen Füßen berühren und nicht mit meinem Schnabel, vielleicht muss ich sie anhauchen oder ein bestimmtes Code-Wort sagen oder singen.  Aber erst einmal muss ich wissen, wo sie ist. Oder besser gesagt, ich müsste erst selbst etwas Zeit sparen, aber ich weiß nicht, wie das geht. Und ich weiß nicht, wie ich sie aufbewahren kann.

Vielleicht werden manche Menschen mich für ein dummes Huhn halten, weil ich all das nicht weiß. Oder ist gesparte Zeit etwas so Alltägliches, dass sie grundsätzlich im obersten Fach des Kleiderschrankes liegt? Also gut, ich bin ein dummes Huhn. Dann sagt mir aber bitte, wie ich gesparte Zeit in ein langes Leben verwandeln kann!

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Wetter – Wiedergeburt der Götter

Link: Warum wir uns immer mehr beeilen müssen

Wolken – Träume vom besseren Leben

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Alle Wolken können Hühner sein.

Wenn Menschen von einem besseren Leben träumen, schauen sie nicht zu den Wolken hoch, sie fangen an, Maschinen zu bauen. Große, kleine und vor allem viele Maschinen. Jede hat ihren Preis, der bezahlt werden muss, und er wird bezahlt. Es stört auch nicht, wenn sie Lärm machen oder stinken, sie dürfen sogar gefährlich sein und alles verschmutzen. Es scheint besonders gut für ein besseres Leben zu sein, dass man durch sie weniger Menschen braucht. Aber gleichzeitig braucht man ganz viele Menschen, damit viele Maschinen gekauft werden können. Die beste Welt muss die sein, in der es  ganz viele und gar keine Menschen gibt.

Wenn ich von einem besseren Leben träume, schaue ich zu den Wolken hoch. Ich bin ein weißes Huhn, vielleicht fällt mir dieser Blick nach oben deshalb leichter. In jeder Wolke kann ich mit etwas Phantasie mich selbst oder allgemein ein Huhn erkennen. Wenn die Wolken dunkel sein sollten, sehe ich trotzdem noch ein Huhn, ein trauriges Huhn, ein wütendes Huhn, ein Huhn, das in den Kampf ziehen will für eine bessere Welt.

Wenn Menschen nicht in der Wüste leben, sind die Himmelsberge keine Boten eines besseren Lebens, sie sind eher unerwünscht. Welcher Mensch kann etwas mit flüchtigen, sich ständig bewegenden Bergen anfangen, die sich gelegentlich in Wassertropfen verwandeln? Man kann sie nicht besteigen, nicht formen, nicht fangen, kein Geld mit ihnen verdienen, nicht seine eigene unbezwingbare Kraft in ihnen erkennen. Wolken wollen einfach kein menschliches Gesicht zeigen.

Trotzdem gibt es den Glauben, dass Engel, die so etwas wie bessere Menschen sind, im Himmel auf Wolken sitzen. Dieser jenseitige Ort ist, wenn ich das richtig verstehe, die ganz, ganz bessere Welt sein. Ich habe aber noch nie ein Himmelsbild gesehen, auf dem Machinen abgebildet sind.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Die Zeit im Versteck

Link: Kunst und Meditation am Himmel