Huhn-Abenteuer Stromschnellen

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Was Stromschnellen sind, ist relativ.

Die meisten Menschen werden mich für verrückt erklären, wenn ich von den Stromschnellen der Wupper schreibe. Falls Sie so denken, sollten Sie die Wupper aus der Sicht eines Huhns betrachten, das sich an einem kleinen Stück Holz festkrallt und auf diesem Fluss surft. Genau das habe ich getan. Ich weiß nicht, wie ich auf diesen Gedanken gekommen bin. Die meisten meiner Artgenossen würden nur den Kopf schütteln. Hühner sind eher keine Abenteurer. Ja, ja , ich weiß, die Wupper ist kein Fluss für ein Abenteuer. Für ein Huhn auf einem kleinen Stück Holz ist es genau das.

Mir schlägt jetzt noch das Herz bis zum Hals, wenn ich daran denke. Es war ein trüber Tag, ich schaute auf den Fluss und dachte an nichts Besonderes. Dazu muss ich sagen, dass ich außerhalb der Stadt am Ufer saß, dort wo keine Menschen sind. Abweichendes Verhalten ist bei ihnen nicht beliebt. Sie könnten mit einem solchen Huhn-Irrsinn wahrscheinlich nicht umgehen. Sie würden glauben, einschreiten zu müssen.

Ich kann nicht sagen, dass es mir an diesem Tag besonders schlecht oder gut ging, ich hatte keinen Plan, kein Ziel. Ich saß einfach nur da und sah das Stück Holz auf dem Wasser treiben. Und dann habe ich es getan. Ich flog zu dem Holz und krallte mich fest. Diese Wellen, diese Geschwindigkeit! Ich wiederhole es noch einmal: Stromschnellen! Ich weiß nicht, wie lange ich es schaffte, das Gleichgewicht zu halten, die Zeit löste sich auf. Ich vergaß fast, dass ich ein Huhn bin und mich mit einem Flügelschlag ans Ufer hätte retten können. Das wollte ich aber gar nicht. Nach dem ersten Schreck genoss ich es. Ich surfte und surfte mit weit ausgebreiteten Flügeln. Ja, ja, abweichendes Huhn-Verhalten.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Wolken – Träume vom besseren Leben

Link: Cool Chicken

Meine Seele ist gelb

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Hoffentlich wird meine Seele nicht lila.

Ich bin mir sicher, dass meine Seele ihre Farbe ändern kann. Die Seele ist aus der Mode gekommen, das weiß ich. Sie weckt Vorstellungen, die nicht wünschenswert sind. Sie ist nicht machbar, sie lässt sich nicht beliebig zusammenbauen, sich nicht zurechtoperieren, sie schwebt über der Zeit. Und wenn sie ihre Farbe ändert, dann geschieht das nicht so, als würde ich mir eine andere Schrift im Computerprogramm aussuchen.

Ich wünsche mir eine blaue Seele. Dafür muss ich noch einmal aus einem Ei schlüpfen, muss ich erst wieder und wieder mit meinem Schnabel gegen die Schale picken. Das ist nicht verrückt. Auch für ein erwachsenes Huhn ist es möglich, sich plötzlich in einem Ei wiederzufinden, immer dann, wenn die Seele ihre Farbe ändert. Das geschieht nicht oft im Leben, und wenn es geschieht, sind es meistens keine schönen Zeiten, und einfach ist es auch nicht. Ich weiß nicht, ob ich wirklich mit einer blauen Seele wieder herauskomme oder ob sie vielleicht grün oder lila sein wird. Ich gebe zu, in dieser Hinsicht bin ich ein menschliches Huhn, ich will lieber genau bestimmen können, was geschieht. Wahrscheinlich muss ich genau deshalb in das Ei.

Ich werde immer ein weißes Huhn sein, ich werde immer zwei Füße haben, zumindest hoffe ich das, und ich werde bis ans Ende meines Lebens Würmer essen. Damit bin ich zufrieden, aber das ist nicht alles. Ich habe schon versucht, die Art meines Ganges zu verändern, er sollte lockerer werden. Ich muss in das Ei, das ist keine Frage. Ob ich dadurch einen lockereren Gang bekommen werde, weiß ich nicht. Ob meine Seele blau, grün oder lila sein wird, vielleicht gehört zu ihr ein stelziges Schreiten.

Wenn ich mit dem Schnabel durch die Eischale stoße und nicht weiß, was geschehen wird, werde ich so tun, als würde ich mich schlafen legen. In welche Traumwelt ich hineinfallen werde, weiß ich vorher nie, und trotzdem schließe ich ohne zu zögern meine Augen.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Huhn-Abenteuer Stromschnellen

Link: Hühner im Baum

Auch Hühner träumen von Utopia

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Es gibt immer wieder ein neues Utopia.

Auch ich kann von Utopia träumen, das mache ich besonders häufig, wenn ich höre, dass Hühner dumm sein sollen. Jeder Mensch, der glaubt, Hühner seien dumm, sollte sich ein Huhn-Utopia vorstellen. Aber da fängt es ja schon an. Wer kann oder will es sich vorstellen?

Welcher Mensch will sich vorstellen, dass es eine Welt ohne Straßen, Autos und Häuser geben kann? Welcher Mensch will sich vorstellen, niemals mehr ein Ei zu essen? In Huhn-Utopia müssten Menschen anders sein oder gar nicht mehr sein. Spätestens jetzt wird mich jeder wieder für dumm halten, was wiederum dazu führt, dass ich noch intensiver träume.

Ist nicht alles, was der Mensch erschaffen und erfunden hat, vorher erträumt, mit aller Kraft ersehnt worden? Von der Klobürste bis zur Landung auf dem Mond. Muss der Mensch sich nicht vor den Träumen der Hühner fürchten? Welche Macht können die Träume von Milliarden meiner Artgenossen entwickeln?

Ich stelle mir die unzähligen kleinen Säugetiere vor, die im Zeitalter der Dinosaurier darauf hofften, selbst irgendwann die Welt zu beherrschen. Die Hoffnung erfüllte sich. Es hat gedauert, vielleicht war es auch nur ein Zufall, als der Komet kam, aber ein neues Zeitalter brach an. Irgendwann kann es ein Huhnzeitalter geben. Ich werde es nicht mehr erleben, aber ich und alle anderen Hühner bereiten es vor. Wir träumen und träumen von einem gigantischen Ei, in dem eine neue Welt heranwächst.

Die meisten Hühner werden von einer Welt ohne Menschen träumen. Kein Mensch sollte sich darüber wundern. Sie sollten die Träume der scheinbar so unbedeutenden Tiere fürchten, wenn sie weiter ein eigenes Utopia entwerfen wollen. Und nie wieder sollten sie sagen, Hühner seien dumm.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Meine Seele ist gelb

Link: Zukunft ohne Menschen

Ein Huhn im Park ist illegal

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Eine Amsel im Park ist normal.

Ich gehe gern in den Park, ich könnte auch sagen, dass ich gern in den Park fliege, aber nur noch früh morgens, bevor die Hundebesitzer kommen. Um diese Zeit wird die Polizei wahrscheinlich noch nicht versuchen, ein illegales Huhn einzufangen. Ich verstehe nicht, warum ich illegal bin, aber es ist so. Ich möchte nicht wissen, wie viele Fotos von mir schon in einer Polizeiakte gesammelt worden sind. Ich hatte immer geglaubt, schon einiges von der menschlichen Natur verstanden zu haben, aber nach meinen ersten Parkbesuchen kamen mir Zweifel. Dieses Geschrei, dieser Auflauf!

„Ein Huhn, ein Huhn! Hier im Park! Ein Huhn! Wie kommt das denn hierher? Es muss geflohen sein. Wem gehört es?“

Die Menschen rannten mit ausgestrecktem Arm und einem Fotoapparat oder einem Handy in der Hand auf mich zu, sie umkreisten mich, sie kamen näher. Ich flog auf einen Baum.

„Das Huhn ist auf den Baum geflogen! Haben Sie so etwas schon einmal gesehen? Ein Huhn auf einem Baum! Ist das normal?“

„Wir müssen das der Polizei melden, das ist ein entflohenes Huhn. Wie soll es denn hier im Park überleben?“

Ich dieses Verhalten für den Menschen typisch? Muss ich das Wesen des Menschen für mich neu definieren? Ein Mensch ist ein zweibeiniges Tier, das sich von anderen zweibeinigen Tieren dadurch unterscheidet, dass es mit ausgestrecktem Arm schreiend auf ein Huhn zu läuft, wenn das Huhn sich im Park befindet.

Vom sicheren Baum aus habe ich versucht zu erklären, dass ich ein Vogel bin, also so etwas wie eine Amsel, aber das ging in dem ganzen Geschrei unter. Und was die Menschen für seltsame Laute ausstießen: „Put, put, put, ja, put, put, put, ja, komm runter, put, put.“

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Auch Hühner träumen von Utopia

Link: Schlaue Taube fährt U-Bahn

Vom Glück einen Schnabel zu haben

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei. Mit einem Schnabel wirkt man niemals traurig.

Mein Schnabel kann keine hängenden Mundwinkel haben. Wenn ich ein Mensch wäre, hätte das Vorteile. Natürlich hätte es auch Nachteile, wenn ich als Menschen einen Schnabel hätte, aber die wären verschwindend gering. Ein Schnabel wirkt immer stabil, nie zusammengekniffen, nie traurig, nie depremiert. Mit einem Schnabel, kann man nur gewinnen.

Ich gebe zu, dass ich immer wieder auch hängende Mundwinkel hätte, wenn ich ein Mensch wäre, wahrscheinlich würde ich nicht selten schlaff im Sessel hängen. Bei mir wird das aber nicht bemerkt, wenn ich schlaff am Boden sitze, kann jeder glauben, dass ich brüte. Ich habe ja auch keine direkt sichtbaren Falten, keine Ringe unter den Augen, keine Tränensäcke, keinen gräulichen Teint. Ich bin ein Huhn, wie man als Mensch zu sein hat oder wie man zumindest zu erscheinen hat.

Gewiss können Schönheitsoperationen den Umgang mit anderen Menschen erleichtern, man muss nicht mehr so viel schauspielern. Wenn das Kinn kräftig und dynamisch wirkt und alles schön stramm sitzt, muss man sich nicht mehr anstrengen, um die Eigenschaften eines Schnabels vorzutäuschen. Man gleitet durch den Alltag, fällt nicht negativ auf. Natürlich muss man immer noch darauf achten, dass der Gang nicht schleppend ist und die Schultern nicht hängen, aber die Leichtigkeit des Huhnseins ist zum Greifen nah.

Es geht vielleicht aber noch einfacher. Ich will nicht sagen, dass ich den Weg zum Glück kenne, ich kann keine Garantie geben, aber einen kleinen Ratschlag. Setzen Sie sich entspannt in einen Sessel, für zehn Minuten dürfen Sie das. Stellen Sie sich vor, einen Schnabel zu haben. Spüren Sie seine Festigkeit, konzentrieren Sie sich darauf, wie diese Festigkeit Ihren ganzen Körper stählt. Machen Sie das genau zehn Minuten, sonst könnten Sie ein schlechtes Gewissen bekommen, weil Sie zu lange im Sessel gesessen haben, das könnte das Ergebnis beeinträchtigen.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Ein Huhn im Park ist illegal

Link: Trauer ein unzeitgemäßes Gefühl