Schuhe des Himmels

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Im Himmel werden Schuhe endlich anerkannt.

Ich wundere mich immer wieder über die Menschen, Schuhe scheinen ihnen so wichtig zu sein, dass sie speziell für ihre Schuhe geliebt werden wollen. Aber keiner macht einer Frau oder einem Mann einen Heiratsantrag und sagt dabei: „Als ich deine schönen Schuhe sah, habe ich mich in dich verliebt und wusste sofort, dass ich für immer mit dir zusammen sein will.“ Das ist tragisch, das Liebesglück scheint den Menschen verwehrt zu sein. Sie können nur noch auf den Himmel hoffen, auf einen gnädigen Gott.

Ich frage mich, wie viele Menschen Nacht für Nacht schlaflos in ihren Betten liegen, weil sie einsam sind. Sie träumen dann bestimmt mit offenen Augen von einer Welt, die den Wert ihrer Schuhe erkennt, die erkennt, wie viel Arbeitszeit nötig war, um sich diese Schuhe kaufen zu können und wie viel Mühe es sie gekostet hat, speziell diese Schuhe zu finden. Warum tun Menschen sich das an, warum sind sie nicht  klug genug, sich gegenseitig für ihre Mühe zumindest Anerkennung zu schenken? Warum gewährt Gott ihnen nicht genug Einsicht? Will er ihnen zeigen, dass das Glück erst im Himmel zu finden ist?

Ich versuche, mir diesen Himmel vorzustellen, obwohl mir das als Huhn sehr schwer fällt. Ich habe immer nackte Füße, und ich bin glücklich damit. Hühner müssen einen anderen Himmel haben als Menschen. Ich hoffe, dass Gott das berücksichtigt. Der Weg in den Menschen-Himmel muss ein Weg sein, den man mit seinen schönsten Schuhen beschreitet.  Tausende von Engeln werden ein Loblied auf sie singen. In diesem Augenblick wird der Mensch wissen, dass er angekommen ist, dass er Frieden gefunden hat und vor allem Liebe, unendliche Liebe.

Kann ich jetzt die Menschen besser verstehen, weil ich weiß, was für sie der Himmel ist? Muss ich jetzt verstehen, warum sie auf Hühner und alle anderen unbeschuhten Tiere herabschauen?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Vom Glück einen Schnabel zu haben

Link: Weltuntergang, vorläufiger Programmablauf

Fliegen mit fünf Flügeln

Das IQ-Huhn erklärt die Welt exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Fünf Flügel sind irgendwie real.

Wenn ich schlafe, habe ich fünf Flügel. Das kann ich nicht beweisen, ich habe im Schlaf auch noch nie in den Spiegel geschaut und die fünf Flügel gesehen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass sie während des Schlafs so real wie mein Schnabel sind. Ich glaube auch, dass Menschen, Kühe und Hunde im Schlaf fünf Flügel haben. Sie würden das vielleicht anders ausdrücken. Menschen würden bestimmt sogar abstreiten, dass es so etwas gibt.

Fünf Flügel sind nicht logisch. Wie soll ich mit fünf Flügeln fliegen? Mit vier Flügeln wäre es möglich, aber dann wäre die Welt nicht dieselbe, sie wäre wahrscheinlich gar nicht. Ich bin mir sicher, die ganze Welt bräche zusammen, wenn es im Schlaf nicht diesen fünften Flügel gäbe. Mit ihm fliege ich weit über diese Welt hinaus. Ich kann nicht sagen, dass ich mitbekomme, wenn es geschieht, aber es geschieht, sonst würde ich nicht wieder aufwachen, sonst könnte ich nicht diesen Text schreiben, ich wäre gar kein Huhn. Ich wüsste nichts von Eiern und nichts von Menschen.

Ich möchte ein Loblied auf meinen fünften Flügel singen, er wird zu wenig beachtet. Er ist das beste an mir. Ich glaube, dass ich auch manchmal mit ihm fliege, wenn ich wach bin. Das sind ganz besondere Augenblicke – und leider sind es nur Augenblicke. Dann hat die ganze Welt einen fünften Flügel und auch die Sonne und der Mond. In solchen Augenblicken wird mir sogar der Mensch sympathisch, weil ich sehe, wie er fliegen kann. Er will es nur nicht wissen.

Der Mensch murmelt ununterbrochen, ohne es zu hören, ohne es zu wissen: „Ich habe keine fünf Flügel, ich habe auch keine vier Flügel, und ich kann nicht fliegen. Jedes Huhn, das etwas anderes behauptet, ist ein dummes Huhn.“

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Schuhe des Himmels

Link: So schläft die Welt

Geheimakte gefährliches Huhn

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Was alles in einer Geheimakte stehe kann.

Ich sitze oft  nur da und schaue mir meine Füße an. Ich will nicht sagen, dass ich besonders schöne Füße habe, darauf kommt es nicht an. Wichtig ist, dass mich dieses Verhalten zu einem gefährlichen Huhn macht, zu einem Huhn, das nichts tut, das außer Kontrolle gerät.

Ich weiß, dass es keine Geheimakte über mich gibt – ganz bestimmt gibt es keine Geheimakte gefährliches Huhn. Aber es könnte sie geben, wenn Menschen auf den Gedanken kämen, sich ein Beispiel an mir zu nehmen. Sie müssten nicht unbedingt ihre Füße anschauen, sie könnten auch nur in die Luft blicken. Solche Menschen sind gefährlich. Sie könnten den Wunsch entwickeln, mehr Zeit so zu verbringen, sie könnten auf Gedanken kommen, gefährliche Gedanken. Wer weiß das schon?

Eine ganze Armee von Agenten müsste eingesetzt werden, Berge von Geheimakten müssten geschrieben werden: Person X hat schon wieder mehrere Stunden in die Luft geschaut. Sie hat nichts getan! Irgendetwas geht vor. Es ist noch nicht genau zu erkennen, was geschieht. Die Mimik von Person X schien demonstrativ entspannt zu sein. Es war nicht ersichtlich, dass sie irgendjemandem ein Zeichen gab. Das Verhalten ist hochgradig ansteckend. Obwohl scheinbar nichts geschieht, sollte von einer Bedrohung für die Staatssicherheit ausgegangen werden. Die Situation ist unberechenbar. Diese Stille.

Ich glaube nicht, dass die Agenten mit dieser Einschätzung übertreiben würden.  In dieser Stille geschieht etwas, alles könnte plötzlich ganz anders sein. Die Sonne würde nicht auf einmal grün leuchten, der Regen würde weiterhin von oben kommen, die Menschen würden nicht anfangen, auf den Händen zu gehen – manche vielleicht, aber nicht alle. Ich glaube, dass ich gut einschätzen kann, was geschehen würde, ich gucke immer wieder meine Füße an, und dabei kommen Gedanken, immer wieder neue Gedanken, alles könnte ganz anders sein.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Fliegen mit fünf Flügeln

Link: Gefährliche Hühner

Vorlesung in rosa Schrift

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Eine Vorlesung ist wirklich eine Lesung.

Ich konnte es nicht lassen, ich musste es tun, ich habe heimlich eine Vorlesung besucht. Nein, ich gestehe, es war nicht nur eine Vorlesung, es waren mehrere. Ich bin ein Huhn, das Interesse daran hat, sich weiterzubilden. Ein paar Minuten verspätet  bin ich in den Vorlesungssaal hineingegangen und hinten an der Tür stehen geblieben. Da alle immer nach vorn schauen, hat mich keiner gesehen, und ich konnte gut an die Wand gucken, genau das ist wichtig.

Ich gebe zu, ich habe mir das anders vorgestellt. Ich glaubte, mich auf das Zuhören konzentrieren zu müssen, aber das war falsch. Ich musste gucken, immer nur gucken, aber erst einmal gab es nichts zu gucken. Obwohl ich jedes Mal zu spät kam, hatte die Vorlesung noch nicht angefangen, weil das Gerät, das die Texte des Professors aus seinem Laptop an die Wand projiziert, noch nicht funktionierte.

Irgendwann schaffte es der  Professor fast immer mit Hilfe einer Schar von Studenten, das Gerät anzuschließen. Jetzt konnten alle an die Wand gucken. Und der Professor sagte genau das, was an der Wand stand. Einmal lief etwas schief, der Text an der Wand war rosa. Alle lachten. Bei dieser Vorlesung habe ich gelernt, dass rosa Schrift lustig ist und nicht ernst genommen werden kann, die Worte hatten kein Gewicht mehr. Der Techniker wurde gerufen.

Alle warteten auf ihn und schauten ihn an, als er kam. Er war der Erlöser, er sorgte dafür, dass alle wieder, ohne zu lachen, an die Wand gucken konnten. Er machte die Schrift schwarz, er gab den Worten des Professors ihr Gewicht zurück. Ich weiß nicht, was geschehen wäre, wenn die Schrift lila oder grün geleuchtet hätte, ob der Erlöser auch das geschafft hätte. Vielleicht hätte die Vorlesung abgebrochen werden müssen.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Geheimakte gefährliches Huhn

Link: Farbpsychologie