Wuppertal ist nicht telegen

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Mit welchem Tier kann man Wuppertal vergleichen?

Ich bin ein Wuppertal-Huhn, und ich bin froh darüber, auch wenn Wuppertal kaum im Fernsehen auftaucht. Alles Wesentliche geht an dieser Stadt vorbei, es gibt keine Hagelkörner, die so groß sind wie Tischtennisbälle, zumindest in meiner Lebenspanne nicht. Die Wupper tritt nicht über die Ufer bei starkem Regen. Hier gibt es keinen Vulkan, keine wilden Tiger oder Giraffen, auch ein Wolf wurde hier noch nicht gesichtet. Wuppertal ist wie ein Huhn, und keiner kann von mir erwarten, dass ich schlecht über Hühner rede. Ich werde nicht sagen, dass Hühner nicht fliegen können wie ein Adler, nein, sie fühlen sich dem Boden verbunden. Ich werde nicht sagen, dass Hühner nicht singen können wie eine Nachtigall. Wozu auch? Wer kann schon krähen wie ein Hahn?

Ein Huhn mag gewöhnlich erscheinen, aber wer kann besser über Eier philosophieren? Menschen glauben, dass Eier in den Supermarkt gehören wie Tütensuppe oder Coca Cola. Aber Eier sind anders. Gibt es Bücher über die Metaphysik des Eis, hat schon jemals ein Mensch eine Doktorarbeit über das Wesen und das Sein des Eis geschrieben? Ich würde es tun, wenn Hühner an der Universität zugelassen wären.

Was hat das jetzt alles mit der Stadt zu tun, die nicht telegen ist, in der es keinen Vulkan gibt und in der ein schlichter Fluss selbst bei starkem Regen nicht den Mumm hat, die Straßen zu überfluten? Hier lässt es sich gut philosophieren, vor allem an diesem speziellen Fluss, der gar nicht als Fluss in Erscheinung tritt. Er ist eingemauert, er hat kein richtiges Ufer, nicht in der Stadt. Er ist wie ein Ei zwischen Coca Cola und Tütensuppe. Ein Ei ist ein Held der Metaphysik, eigentlich. Und auch der Fluss ist nur eigentlich ein Held, und darüber kann ich als Huhn lange philosophieren.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Vorlesung in rosa Schrift

Link: Können Hühner fliegen?

Der Baum am Nordpol

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Der perfekte Baum für das perfekte Bild.

Menschen reisen weit, um sich mit einem Baum oder etwas anderem fotografieren zu lassen. Der Baum sollte außergewöhnlich sein, besonders groß oder alt. Ein Baum, der sein Alter vertuschen wollte, hätte keine Chance. Auch ein Huhn hätte keine Chance, viel zu gewöhnlich, es sei denn, es hätte rosa Federn. Das Bild muss einmalig sein.

Ein Huhn oder ein Baum auf einer Eisscholle mitten im Meer oder gleich am Nordpol wären ideal. Ich bin mir sicher, es gibt Menschen, die bereits jetzt daran arbeiten, einen Baum zu entwickeln, der am Nordpol wächst für das perfekte Bild. Es gibt bestimmt auch schon Pläne für eine Landebahn direkt neben dem Baum, damit Millionen von Menschen das einmalige Bild schießen können. Menschen neben dem Baum, Menschen auf dem Baum, Menschen im Bikini liegend unter dem Baum, Menschen neben dem Baum und gleichzeitig neben einem Elefanten.

Ich glaube, ein kluges Huhn zu sein, aber vielleicht führe ich doch das falsche Leben. Wenn ich in eine Kamera schauen soll, muss ich mich besonders anstrengen, möglichst entspannt zu wirken. Mit einem Schnabel ist es auch schwierig zu lächeln. Am entspanntesten bin ich, wenn ich auf dem Baum sitze, auf dem ich immer sitze. Er ist nicht besonders groß, nicht besonders alt, er hat keine außergewöhnlichen Blätter. Schnee und Eis gibt es hier nur im Winter, aber dann sitze ich lieber nicht auf dem Baum. Und es gibt hier keinen Nordpolschnee, kein Nordpoleis, nur Deutschlandschnee und Deutschlandeis, nicht besonders viel, nicht besonders tief gekühlt, schnell matschig und grau. Lebe ich am falschen Ort? Oder bin ich gar ein dummes Huhn, ein Huhn, das kein perfektes Bild abgibt?

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Wuppertal ist nicht telegen

Link: Mount Everest – Der Gipfel des Selbstbetrugs

Lebensrecht des Wurms

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Das Lebensrecht des Huhns geht vor.

Menschen könnten mir vorwerfen, dass ich die Würde und das Lebensrecht des Wurms nicht achte. Ja, ich gestehe, ich esse Würmer. Ich träume sogar davon. In meinen Träumen ist es entweder ein besonders dickes oder ein ganz vertrocknetes Exemplar. Ein Mensch würde über solche Träume vielleicht mit einem Therapeuten sprechen. Ich habe das bisher nicht getan. Würde ein Therapeut ein Huhn ernst nehmen, das mit ihm über Würmer-Träume sprechen will? Und was gäbe es da zu besprechen? Schuldgefühle? Nein, ich habe keine Schuldgefühle, weil ich Würmer esse, ich denke gar nicht darüber nach, ich verschlinge sie einfach. Ich bin ein Huhn! Ich fühle mich auch nicht minderwertig, ich bin mir meiner Würde als Huhn voll bewusst. Ja, ja, die Würde des Wurms, ich weiß.

Ein Therapeut würde vielleicht einwenden, dass ich gar nicht weiß, ob ich Schuldgefühle habe, dass ich mich vielleicht sogar ganz schrecklich minderwertig fühle – oder dass ich gar kein Huhn bin. Bin ich vielleicht ein Wurm, der sich von seiner Angst befreien will, gefressen zu werden, indem er sich in das große, starke Tier hineinträumt, vor dem er sich fürchtet?

Nein! Ich habe gerade in den Spiegel geschaut, ich bin ein Huhn. Ich habe Federn, ich habe einen Schnabel, ich habe Füße, Füße sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich kein Wurm bin. Ich bin auch keine verwunschene Prinzessin. Ich bin mir sicher, dass ich noch nie eine Krone getragen habe oder Eis gegessen habe, igitt. Ich habe auch noch nie davon geträumt, eine Prinzessin zu sein. Ich bin einfach nur ein Huhn, das gerne Würmer isst, dicke Würmer.

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Der Baum am Nordpol

Link: Vegetarische Ernährung für Hunde?

 

Göttliche Langeweile

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei:  Langeweile in der Ewigkeit.

Die Menschen sagen: „Gott hört alles, alles Gesagte, alles nur Gedachte.“ Wer möchte unter diesen Bedingungen Gott sein? Ich nicht, kein Schnabelgott, kein Gefiedergott, kein Huhngott. Hunderte von Jahren, tausende von Jahren, in unendlichen Variationen, aus unendlich vielen Mündern hört Gott: „oh gott oh gott marmor stein und eisen langeweile langeweile da da da die da oben die da unten ratata peng bum und eisen bricht ratata peng bum ich lieb dich nicht da da da mein dein mein dein ratata peng bum unsere liebe unsere liebe du liebst mich nicht ratata peng bum der mensch der mensch fortschritt fortschritt das ebenbild ratata peng bum weine nicht weine nicht ratata peng bum da da da die da oben die da unten mein dein das ebenbild das ebenbild langeweile langeweile gott der liebe gott des friedens ratata peng bum der mensch die erhabenheit rattata peng bum du liebst mich nicht du liebst mich nicht da da da die würde die würde ratata peng bum.“

Man mag mir vorwerfen, dass ich nur ein undifferenziert denkendes Huhn bin, dass ich das Wesen des Menschen nicht erfassen kann. Aber ich glaube, die Welt wäre nicht schlechter, wenn Gott die Form eines Huhns annähme. Man könnte sein wundervolles Federkleid loben, die Pracht seines Schnabels preisen, seine Schnabelgerechtigkeit, seine gefiederte Liebe, vielleicht käme ein Huhngott sogar auf den Gedanken, nicht alles hören zu wollen.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Lebensrecht des Wurms

Links:

Da Da Da (Trio)

Marmor Stein und Eisen bricht (Drafi Deutscher)

Kaufe Dir 3 Schweine

Die Erde ist keine Kugel

Das IQ-Huhn erklärt die Welt, exakt, prägnant, fehlerfrei – fast fehlerfrei: Die Erde eine fremde Welt.

Menschen brauchen Helden. Natürlich frage ich mich jeden Tag, warum es keine Huhn-Helden gibt. Das ist einer der Gründe, warum ich immer wieder an der Intelligenz der Menschen zweifle. Aber ich will jetzt darüber schreiben, dass die Welt keine Kugel ist, das hat auch etwas mit Helden zu tun, nicht auf den ersten Blick, vielleicht auch nur durch den Huhn-Blick.

Wenn man für Menschen ein Held sein will, muss man sich an einen Ort begeben, an dem es keine Würmer gibt, keine dünnen Würmer, keine dicken Würmer, und auch sonst darf nichts Essbares zu finden sein. Es sollte viel Aufwand nötig sein, um überleben zu können. Das Weltall!  Helden, die dort hinreisen, hören Menschen gerne zu, nein, sie hören nicht zu, sie lauschen, andächtig. Und die Helden glauben auch, etwas Bedeutsames zu sagen zu haben: „Die Erde ist wunderschön, schön wie ein Edelstein und verletzlich. Erhaltenswert!“ Jetzt kommt etwas ganz wichtiges über Helden! Sie sind dann am besten, wenn sie tragisch enden. Sie haben gesprochen, man hat ihren Worten gelauscht. Und? Nichts, gar nichts! Als hätten sie ihre Worte in die Leere des Alls gesprochen. Oder haben sie einfach nicht die Wahrheit gesagt? Sie haben nicht gesagt, dass die Erde eher die Form einer Kartoffel hat, die nicht stramm durch das Weltall marschiert. Die Erde eiert, sie neigt ihre Achse hin und her und wieder hin und wieder her. Sie ist auch nicht besonders originell oder kreativ, immer geht sie den  gleichen Weg, immer um die Sonne herum. Das ist natürlich gut, wenn man regelmäßig Würmer essen will oder Kartoffeln, ich will die Erde nicht kritisieren. Ich will nur sagen, dass sie keine Kugel ist, und die ideale Form ist sowieso das Ei.

 

Das IQ-Huhn erklärt die Welt: Göttliche Langeweile

Link: Warum die Berechnung der Ei-Form so unmöglich ist